Judo / Ju-Jitsu

jiu kano baelzjudo

Das heute wohl bekannteste japanische Selbstverteidigungssystem ist, neben dem Karate, Judo und Aikido, das Jiu-Jitsu.

Die eigentliche Geschichte der Selbstverteidigung ist aber so alt wie die Menschheit selbst. Sie hat sich aus der uralten wiederholten Erfahrung entwickelt, dass ein Unbewaffneter von einem Stärkeren und womöglich sogar Bewaffneten angegriffen wurde. Intelligenz im Nachgeben, Ausweichen, körperliche Wendigkeit, die Fähigkeit, eine geheime Blöße oder Schwäche des Angreifers spontan zu erkennen und zu seinem Vorteil auszunützen – dies alles hatte der Ungeschützte dem Starken entgegenzuhalten. List und Wendigkeit gegen rohe Gewalt!

Im gleichen Masse, wie sich der Geist des Menschen entwickelte, wie sich sein Verstand, seine Fähigkeit logisch und vernünftig zu denken, ausbildete und differenzierte, dürften auch die Tricks, die Kunstgriffe entstanden sein, deren sich körperlich schwächere Menschen bedienten, um stärkere zu überlisten und zu besiegen. Diese Tricks wurden oft zu einem System zusammengefasst und von einem bestimmten Personenkreis gepflegt, der diese Kenntnisse meist streng geheim hielt.

Mit der Entwicklung der modernen Waffentechnik gerieten die Nahkampfkniffe aber bei uns in Vergessenheit und wurden nicht mehr gelehrt. Nur in Ländern, in denen die Waffentechnik kaum voranschritt, lebten solche Systeme weiter. Hier ist vor allem Japan zu nennen, in dem sich unter chinesischem Einfluss verschiedene Nahkampfsysteme gebildet hatten, deren bekannteste das sog. Gawasa, Toride, Kogusoku, Kumiuchi, Shubaku, Tai-Jutsu, Kenpo und Hakuda waren. Sie waren sich in ihrem Wesen, abgesehen von kleinen Unterschieden, fast gleich und sie hatten auch (wie das Deutsche „Freiringen“) dasselbe Ziel: im Nahkampf den Gegner kampfunfähig machen oder zu töten.

Wenig bekannt ist es nun, dass es ein Deutscher war, nämlich der aus Bietigheim stammende Prof. Dr. Erwin Bälz, der den Anstoss zur Renaissance des Jiu-Jitsu gab. Er war von 1876-1902 Professor an der Kaiserlichen Universität in Tokio und beobachtete mit Sorge den schlechten Gesundheitszustand seiner Studenten, die nur möglichst viel lernen wollten und darüber die Ausbildung ihrer Körpers vergassen.

Da machte er zufällig in der Provinzhauptstadt Tschiba die Bekanntschaft mit einem alten Lehrer des Jiu-Jitsu, Totsuka, der die Polizisten der Stadt in dieser Kunst unterrichtete. Bälz sah Dutzende von Wettkämpfen, und die Leistungen waren so erstaunlich, dass er sich sagte, das wäre eine wertvolle Gymnastik für seine Studenten. Er selbst unterwarf sich einem eifrigen Training und ging mit gutem Beispiel voran. Einer seiner Studenten, Jigoro Kano, der später ein bekannter Gelehrter wurde, erkannte ebenfalls den Wert dieser alten Kampfmethoden für die körperlichen und geistigen Erziehungen. Kano machte sich auch auf dem Gebiet der anderen Sportarten verdient, wurde Vorsitzender des Japanischen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees.

Zunächst studierte er aber alle damals gelehrten System und suchte sich hier einzelnen Elemente heraus. Das, was er begründete, nannte er im Unterschied zum alten Jiu-Jitsu „Judo„, das bedeutete, dass er nicht nur reine Technik lehren wollte, sondern dass es ihm um die Ausbildung des inneren Menschen ging. Judo heisst „der Weg, durch Nachgeben zu siegen“. Er stellt es auf eine höhere Ebene als die alte Kriegskunst des Jiu-Jitsu. Die rein technische Kunst (JITSU) wich einer ethischen Lehre (DO), auf deren Grundsätzen Professor Kano grössten Wert legte.

Merkmale des Judo:

Grundprogramm:

  • Wurftechniken aus dem Stand
  • Selbstfallwurftechniken
  • Bodenkampf
  • Festhaltetechniken am Boden
  • kontrolliertes Fallen und Rollen (Fallschule)

Kein Einsatz von Waffen, weder im Angriff noch in der Verteidigung
Unterteilung in farbige und schwarze Gürtel (Schüler- resp. Meistergrad)
Weit verbreitete Wettkampfmöglichkeiten

Merkmale des Ju-Jitsu:

Grundprogramm:

  • Selbstverteidigung mit vielen Techniken aus anderen Kampf-sportarten wie Judo (siehe oben)
  • Hanbo-Jitsu
  • Karate
  • Angriff mit und ohne Waffen
  • Abwehr mit und ohne Gegenstände (Schirm, Stock, Bleistift)

Unterteilung in farbige und schwarze Gürtel (Schüler- resp. Meistergrad)
Beschränkte Wettkampfmöglichkeiten
Eintrittsalter ab ca. 14 Jahren

Quelle: Sportschulde Bushido